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e-Mobilität im Wohnbau

Vom rechtlichen Rahmen zur konkreten Umsetzung. Ladeinfrastruktur und Lastmanagement.

Etwa 60 Bauträger und Mobilitätsinteressierte, mehrheitlich aus Niederösterreich, diskutierten in St. Pölten Fragen zur Ausstattung von Wohngebäuden in Neubau und Bestand mit Ladeinfrastruktur für e-Mobilität. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Errichtung der Ladestationen, Lastspitzen und Lastmanagement.

Impulsvorträge

  • Rechtlicher Rahmen für e-Mobilität im Wohnbau: EU und nationale Umsetzung
    Franz Angerer, Land Niederösterreich
    Vortragsunterlagen (PDF, 2.042 KB)

  • Praxistest 1 - Lastspitzen und Lastmanagement in einer bestehenden Wohnausanlage der Wien Süd, Projekt e-Mobilität in der Praxis
    Paul Lampersberger, e7
    Vortragsunterlagen (PDF, 1.150 KB)
    e7: Endbericht zum Pilotprojekt 
  • Praxistest 2 - Konkrete Ausgestaltung der Lade-Infrastruktur im Neubau und e-Mobilitätsangebote für die Besiedlungsphase
    Norbert Schandl, NBG
    Vortragsunterlagen (PDF, 1.147 KB)
    eNu: Informationen zu den Feldversuchen
  • Mobilitätsförderung 1: Nachrüstung von Bestandsbauten – Förderung und mögliche Betreibermodelle im Bundesland Niederösterreich
    Florian Tatzber, EVN
    Vortragsunterlagen (PDF, 1.306 KB)
  • Mobilitätsförderung 2: e-Mobilitätsförderung der KPC – klimaaktiv mobil
    Franziska Trebut, ÖGUT
    Vortragsunterlagen (PDF, 624 KB)

Vortragsinhalte

Franz Angerer skizzierte eingangs die aktuellen Anforderungen der Niederösterreichischen Bauordnung an die e-Mobilität im Wohnbau. Gemäß Novelle der EU-Gebäuderichtlinie ist zukünftig in Neubauten für alle Stellplätze eine gesamte Leitungsinfrastruktur samte Leerverrohrung für eine Anschlussleistung von 11 kW (16 Ampere, 3phasig) vorzusehen. Aus dem Monitoring erfolgreich durchgeführter Pilotprojekte habe man die Sicherheit gewonnen, dass in Wohnanlagen ein normaler Hausanschluss ausreiche - die übliche Berechnung von 4 kW pro Haushalt passt auch inklusive e-Mobilität. Aktuell gäbe es für die Nachrüstung im Geschosswohnbau eine attraktive Förderung des Landes Niederösterreich, die in Kombination mit der Bundesförderung von klimaaktiv die Kosten für die Installation einer Wallbox je Stellplatz auf unter 1.600 € reduziere, was durchaus mit den Kosten beim Einfamilienhaus vergleichbar ist.

Zwei Inputs aus den Praxisanwendungen bestätigten, dass die Sorge hinsichtlich der Anschlussleistung für Haushalte und e-Fahrzeuge unbegründet sei:

Paul Lampersberger berichtete von der Begleitung eines Pilotversuchs der Wien Süd im 23. Wiener Gemeindebezirk, bei dem nachgewiesen werden konnte, dass im Bestand bei einer Stiege mit 22 Wohneinheiten 50 % der BewohnerInnen (14 e-Autos) e-mobil sein könnten, ohne dass der Hausanschluss verstärkt werden müsse. 85 % der NutzerInnen würden in der Wohnungsanlage laden, die Lastspitzen träten zwischen 18:00 und 21:00 auf und seien selbst bei einer Reduktion der Anschlussleistung auf 22 kW für alle Ladestationen via Lastmanagement leicht beherrschbar. Auch könnte bestätigt werden, dass lange Fahrten, die häufige hohe Ladeleistung verlangen, die Ausnahme seien. Fahrten zwischen 50 und 150 km würden im Durchschnitt nur 1x pro Monat gemacht, längere Fahrten noch seltener. 

Zu ganz ähnlichen Aussagen zur Lastverteilung, allerdings im Neubau, kam auch Norbert Schandl von der NBG. Für die Pflichtstellplätze von 81 Wohneinheiten einer Wohnanlage in Obersiebenbrunn wurden Leerverrohrungen vorgesehen und Ziehschächte für das spätere Einziehen der Verkabelung installiert. 14 Haushalte konnte über 2 Monate ein eigenes e-Auto nutzen, ein e-Carsharing-Fahrzeug stand für 6 Monate zur Nutzung bereit. Zusätzliche Netzzutrittsgebühren werden auch bei einem e-mobilen Vollbetrieb nicht notwendig sein. Grundsätzlich sei im Neubau die Möglichkeit gegeben, durch frühe Planung bei der Leitungsführung Kosten zu minimieren und auch das Thema e-Carsharing so früh vorzubereiten, dass zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner dies rechtzeitig und vorausschauend in die Planung der eigenen Mobilitätserfordernisse berücksichtigen könnten. Bei zukünftigen Gebäuden werde man dies noch stärker berücksichtigen. Ein e-Bus für die Umzugsphase wurde bereits sehr gut angenommen und werde auch in zukünftigen Projekten erwogen.

Die abschließenden Inputs von Florian Tatzber und Franziska Trebut stellten Landes- und Bundesförderungen vor. Florian Tatzber erläuterte verschiedene Modelle der Versorgung mit Ladeinfrastruktur – speziell für die Nachrüstung in Bestandsbauten - und mögliche Förderungen im Land Niederösterreich, Franziska Trebut bezog sich auf die Bundesförderung von klimaaktiv, die über die KPC alleine aber auch zusätzlich zur Landesförderung bezogen werden kann.

Zentrale Aussagen aus der Diskussion

  • Die Stellplatzverpflichtung seitens der Gemeinde führt zu hohen Kosten in der Errichtung von Wohnbauten und konterkariert vielfach die Bemühungen, e-Mobilität, v. a. als Sharing-Modell, in die Wohnanlagen zu bringen.
  • Bei Wohnanlagen reicht der normale Hausanschluss für die Ladung der e-Fahrzeuge vollkommen aus, man muss keine zusätzliche Netzbereitstellung einkaufen.
  • 85 % der Ladungen der e-PKW findet in der eigenen Wohnanlage, vorzugsweise während der Abend- und Nachtstunden statt. Ladungen an öffentlichen Stationen sind dagegen (noch) selten, auch, weil sie preislich deutlich höher liegen.
  • Carsharing in der Besiedlungsphase in Form eines e-Busses fördert erste Erfahrungen mit der e-Mobilität und soziale Kontakte in der neuen Hausgemeinschaft.

Moderation und Einführung 

  • Franziska Trebut, Leiterin der ÖGUT-Themenbereiche Energie und Innovatives Bauen
  • Matthias Komarek: eNu - *Die Energie- & Umweltagentur des Landes NÖ

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der ÖGUT - Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik, der eNu - *Die Energie- & Umweltagentur des Landes NÖ und klimaaktiv mobil im Rahmen des Formats "klimaaktiv mobil Bauträgerfrühstück" durchgeführt. Zielgruppe waren BauträgerInnen, Stadt- und VerkehrsplanerInnen, Mobilitätsdienstleister sowie weitere Interessierte.

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