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Rad- & Fußgängerverkehr

Shared Space in Leobersdorf

Durch gezielte Umgestaltung des Hauptplatzes in der Marktgemeinde Leobersdorf in einen "Shared-Space" konnte der Durchgangsverkehr im Ortskern reduziert und gleichzeitig für Geschäfte attraktiviert werden.

Shared Space in Leobersdorf
© Hertha Hurnaus

Projektinhalt und Ziele

Der bisher als Parkplatz genutzte Platz vor der Kirche und dem Gemeindeamt in Leobersdorf  wurde im Zuge einer Umgestaltung den BürgerInnen wieder als multifunktionaler Bereich zurückgegeben. Der "Shared Space" ist so angelegt, dass unterschiedliche Materialien in der Bodengestaltung  unterschiedliche Zonen definieren. Das innere Aktionsfeld dient als Aufenthaltsort und das äußere Aktionsfeld beinhaltet sowohl den Randbereich des Platzes als auch den barrierelosen Übergang zur Straße.

Ziel des Entwurfs war es, dem undefinierten und in Restflächen zerteilten Raum durch eine einheitliche Oberfläche ein ruhiges, klares Gesamtbild zu geben und die bisher dem ruhenden Verkehr überlassene Fläche den BürgerInnen als offenen, multifunktionellen Platz zurückzugeben. Ebenso sollten die öffentlichen Gebäude, Kirche und Gemeindeamt, in ihrer räumlichen Wirkung und Zugänglichkeit hervorgehoben werden.
Das „Innere Aktionsfeld“ dient als soziale und räumliche Bühne für alle lokalen Aktivitäten – Märkte, Weinfeste, Eislaufarena oder nur als reiner Aufenthaltsort vor der Kulisse der umgebenden Bauten. Unterschiedliche Materialien in der Bodengestaltung (Wasser, Holz, Naturstein) definieren Zonen und Möglichkeiten der Bespielung. Flexible Sitzmöbel schaffen Räume.
Das äußere Aktionsfeld umfasst sowohl den Randbereich des Platzes als auch den gesamten Verlauf der Hauptstraße im Ortszentrum. Platz und Straße werden nicht als getrennte Räume behandelt, sondern sind Teil eines kontinuierlichen Stadtraums, der als „Steinerner Teppich“ aus mit grünem Naturstein durchsetztem Betonbelag ausgeführt ist. Hier finden die Nutzungen der umliegenden Geschäfte und Gastronomie Platz.

Abgesehen von der Neugestaltung des Platzes, sollte ein den Bedürfnissen eines Shared Space entsprechendem Verkehrskonzept umgesetzt werden.

Motivationsfaktoren

Der Rathausplatz des typischen Straßendorfs Leobersdorf (Bezirk Baden) entstand Ende der 70er Jahre durch den Abriss einer Häuserzeile vor Gemeindeamt und Kirche. In den Jahren darauf wurde er vor allem als Parkplatz genützt. Die Hauptstraße im Ortskern verzeichnete zunehmende Verkehrsbelastungen von rund 12.000 Fahrzeugen pro Tag. Die Aufenthaltsqualität im Ortskern war kaum vorhanden, der Einzelhandel litt - auch bedingt durch die Konkurrenz großflächiger, verkehrsgünstig gelegener Einkaufszentren und Outlet-Center am Ortsrand - unter Abwanderung und Leerstand.
Durch die Fertigstellung der Ortsumfahrung und der Entlastung der Hauptstrasse im Ortskern bot sich 2005 erstmals die Möglichkeit einer verkehrsberuhigten durchgehenden Neugestaltung des Ortskerns.

Projektablauf

Planungsbeginn: 2007
Baubeginn: 2008
Fertigstellung inklusive Platzmöblierung: Sommer 2009

Als Bauherr fungierte die Marktgemeinde Leobersdorf. Für den Entwurf sowie die künstlerische Oberleitung zeigten sich "Hadler bis Hausdorf Architekten ZT GmbH" verantwortlich. Die Ausführung selbst wurde von Kosaplan ZT GmbH durchgeführt.

Insgesamt wurden 6.500 m² Fläche neu gestaltet, davon können rund 1.500 m² zum inneren Aktionsfeld gezählt werden. Zudem kam noch die Neugestaltung von ca. 300 Metern der Hauptstraße.
Oberfläche inneres Aktionsfeld: Naturstein Dorfergrün, Sonderfelder bepflanzt bzw. Lattenroste aus Lärchenholz.
Oberfläche äußeres Aktionsfeld: Betondecke 20 cm stark, mit Naturstein versetzt, Fahrbahn niveaugleich, ohne Bordstein.

Die Verkehrsführung wurde - als eines der ersten Projekte in Niederösterreich - im Sinne des „Shared Space“ als einheitliche Oberfläche konzipiert, um die öffentlichen Flächen im gesamten Ortskern ohne Vorbehalt für nichtmotorisierte BürgerInnen begehbar zu machen. Die Fahrgeschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt.
Die Trennung von Fahrbahn und Gehbereich ist nur durch im Boden eingelassene LED-Leuchten gekennzeichnet. Niveausprünge wurden vermieden. Eine Baumreihe aus Säuleneichen und Pinien akzentuiert den Raum im Gehbereich, ein in Straßenmitte eingelassenes Rigol mit eingestanzter Beschriftung, die die Geschichte des Ortes erzählt, fungiert als Leitlinie. Fahrbahnmarkierungen wurden durch im Boden eingelassene Reflektoren gewährleistet.

Angabe bzw. Abschätzung der Kosten

Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. € 3 Mio.

Projekterfolge

Durch das Projekt wurde nachweisbar der Durchgangsverkehr im Ortskern auf nahezu ein Viertel reduziert, und durch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h in Verbindung mit den baulichen Maßnahmen und der Oberflächengestaltung auch die Fahrgeschwindigkeit signifikant verringert.

Durch die Reduzierung des Individualverkehrs und das verbesserte Angebot an kurzen Erledigungswegen per Fuß und Rad wird die Lebensqualität im Siedlungsgebiet erhöht und die Immissionen deutlich reduziert. Die Verwendung hochwertiger und schadstofffrei wiederverwendbarer Materialien (Naturstein, rostfreier Stahl, Außenmöblierung) garantieren darüberhinaus Langlebigkeit.
Zahlreiche Events (Feste, Konzerte, Märkte, Sportveranstaltungen) seit der Fertigstellung beweisen, dass das Gemeindeleben durch die Revitalisierung des Ortskerns wieder zum Leben erweckt wurde und der Platz von den BürgerInnen angenommen wird.
Das öffentliche Interesse (z.B.: Tageszeitungen, Fachmedien, ORF-Bericht im April 2012) zeigt, dass die realisierte Verkehrslösung im Ortskern Leobersdorf als Referenzprojekt für eine innovative, gestalterisch hochwertige gleichberechtigte Nutzung des öffentlichen Raumes gilt, dessen Realisierung schon Jahre vor der rechtlichen Festschreibung der "Begegnungszonen" in der StVO durchgesetzt werden konnte.
Im April 2013 wurde das Projekt auf Einladung des BDA (Bund Deutscher Architekten) und der Stadt Dortmund bei der Fachveranstaltung und Podiumsdiskussion zum Thema "Shared Space" in Dortmund (D) vorgestellt.

Quantifizierbare Ergebnisse

Die Neugestaltung des Ortszentrums wurde ein Jahr nach der Fertigstellung durch ein Verkehrsplanungsbüro evaluiert. Bei den dabei durchgeführten Zählungen und  Radarmessungen ergab sich, dass die Maßnahmen zum Erfolg geführt haben: Der Großteil der gefahrenen Geschwindigkeiten liegt im Bereich zwischen 20 und 30 km/h. Der Anteil von Fahrzeugen zwischen 30 und 40 km/h liegt lediglich zwischen 1,0 % (Richtung Norden) und 4,0 % (Richtung Süden). Fuhren 2002 noch 12.000 Fahrzeuge pro Tag durch die Hauptstraße, sind es heute nur noch rund 3.300 bis 3.500 Fahrzeuge pro Tag. Ebenso konnte die Abwanderung der Handelsbetriebe nachweisbar gestoppt werden: Seit 2010 haben sich 10 neue Geschäfte im Ortskern angesiedelt.

2011 wurde das Projekt mit dem Walk Space Award ausgezeichnet.

Nachhaltige Perspektiven

Die Ausweisung des Shared-Space als Begegnungszone nach STVO wird umgesetzt.
Die Ausweitung des Shared-Space Bereichs wird gegenwärtig untersucht.

Weiterführende Informationen und Kontakt

Marktgemeinde Leobersdorf
Rathausplatz 1
2544 Leobersdorf
Tel. +43 (0)2256 623 96

Hadler bis Hausdorf Architekten ZT GmbH
Projektbeschreibung des mit der Projektleitung betrauten Unternehmens