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Kostenoptimiertes Bauen von Wohngebäuden

Jetzt startet wieder die Bausaison! Wohngebäude werden neu errichtet oder bestehende thermisch saniert - oft mit großem Aufwand und hohen Kosten. Doch rentieren sich Investitionen in große Dämmdicken und hocheffiziente Heiz- und Energiesysteme auch?

Passivhaus
© M. Komarek

Die Studie „Analyse des kostenoptimalen Anforderungsniveaus für Wohnungsneubauten in Vorarlberg“ vom Energieinstitut Vorarlberg und e7 Energie Markt Analyse beschäftigt sich mit der Frage, ob und wann sich die Mehrinvestitionen für eine höhere Qualität von Wärmedämmung und Energieversorgungssystem auszahlen, und zwar für’s Geldbörsel und die Umwelt.

Kernaussagen

Die Studie belegt, dass optimal ausgeführte Niedrigstenergiehäuser die ideale Gebäudequalität in zweierlei Hinsicht aufweisen. Nicht nur, dass dieser heute problemlos umsetzbare Gebäudestandard sehr wenig Energieverbrauch für Beheizung und Betrieb aufweist. Über den Lebenszyklus des Gebäudes betrachtet, stellt diese auch den geringsten Investitionsbedarf dar, sind also im Vergleich die kostengünstigste Variante! Allerdings ist eine weitere Verbesserung auf Passivhaus-Standard mit extrem geringen Mehrkosten möglich!

Untersucht wurden verschiedenste Varianten mit unterschiedlichsten Energieniveaus (Massiv-, Holz- und Mischbau, Fensterlüftung und Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung, mit und ohne Solaranlage, verschiedene Heizsysteme). Insgesamt wurden für drei verschiedenen Gebäudetypen (Einfamilienhaus, typisches Mehrfamilienhaus, großes Mehrfamilienhaus) bis zu je 80 unterschiedliche Konstellationen und Varianten analysiert. Sie vergleicht ihre Ergebnisse aber auch mit anderen zur gegenständlichen Thematik durchgeführten Studien.

Erkenntnisse im Detail

Im Rahmen der Studie wurden u. a. folgende Erkenntnisse im Hinblick auf den energetisch optimalen Gebäudestandard und eine kostenoptimale Ausführung unter Einbeziehung von Errichtungs- und Betriebskosten im Lebenszyklus gewonnen:

Ausgehend vom kostenoptimalen Niveau belaufen sich die Mehrkosten für die weitere energetische Optimierung bis hin zum Passivhausstandard in einem sehr geringen finanziellen Ausmaß – bezogen auf einen Betrachtungszeitraum von 30 Jahren.

Mit geringem Fördermitteleinsatz können massive Reduktionen des Energiebedarfes und der CO2-Emissionen bewerkstelligt werden.

Die den Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Wohnungsneubauten zugrunde gelegten Parameter wie Energiekostensteigerung und Zinssatzänderungen beeinflussen die Ergebnisse durch Veränderung ihrer Werte in der Größenordnung von +/- 1 % nur geringfügig.

  1. Der kostenoptimale Bereich liegt bei den unterschiedlichen Gebäudetypen bei folgendem Primärenergiebedarf:
    a. Einfamilienhaus                      100 – 140 kWh/m2BGFa
    b. Typisches Mehrfamilienhaus     90 – 110 kWh/m2BGFa
    c. Großes Mehrfamilienhaus         77 – 100 kWh/m2BGFa
  2. Voraussetzung für die reelle Wirtschaftlichkeit der kostenoptimierten hocheffizienten Wohngebäude ist, dass die tatsächlichen Verbräuche im Gebäudebetrieb den berechneten Werten entsprechen. Voraussetzung für die Übereinstimmung der Planwerte mit den tatsächlichen Verbräuchen ist eine entsprechende Qualitätssicherung im Bauprozess.
  3. Planung und Ausführung eines Wohngebäudes unter Einhaltung der klimaaktiv Qualitätskriterien (Gold, Silber) erfüllt in vielen Fällen gleichzeitig auch die Anforderungen für ein kostenoptimiertes Wohngebäude.
  4. Im typischen Mehrfamilienhaus betragen die Mehrkosten (ohne Förderungen) selbst für die energetisch besten Varianten (Passivhaus mit Komfortlüftung und Solaranlage) im Vergleich zur kostenoptimierten Ausführung in 30 Jahren lediglich 12 Cent pro m² Bruttogeschoßfläche und Jahr.
  5. Die Investitions-Mehrkosten für die energetisch besten Varianten im Vergleich zu den gesetzlichen Mindestanforderungen (OIB Richtlinie 6) liegen im Schnitt bei 11,6 % für das Einfamilienhaus und bei 7,5 % für die Mehrfamilienhäuser.
  6. Im Mehrfamilienhaus ist eine deutlich höhere Hüllqualität wirtschaftlicher als beim Einfamilienhaus. Verantwortlich dafür ist die meist wesentlich kompaktere Gebäudeform im großvolumigen Wohnbau.
  7. Kostenoptimierte Wohngebäude erfüllen die Mindestanforderungen an den Nationalen Plan (künftige österreichweit gültige Vorgaben im Energiebereich) sowohl für 2014 als auch für 2020 deutlich! Der Primärenergiebedarf der verschiedenen Varianten liegt deutlich unter den Grenzwerten des nationalen Plans für 2014 (190 kWh/m²a).
  8. Qualitätsvolle Energiebedarfsermittlungen mit evaluierten Berechnungsmethoden wie das PHPP (Passivhausprojektierungspaket) erweisen sich als sinnvoll und stellen eine geeignete Grundlage für Wirtschaftlichkeitsberechnungen dar.
  9. Trotz der Vielzahl an untersuchten Varianten sind die Ergebnisse als Richtwerte unter speziellen Voraussetzungen zu betrachten und für den Einzelfall zu überprüfen.

Quelle: Studie „Analyse des kostenoptimalen Anforderungsniveaus für Wohnungsneubauten in Vorarlberg“, Endbericht 29. November 2013, Energieinstitut Vorarlberg, e7 Energie Markt Analyse GmbH

Download

Baukosten und Wirtschaftlichkeit im großvolumigen Wohnbau (Vortrag von Architekt DI Martin Ploß vom 17.3.2014)

Kostenoptimales Bauen - Studie EIV/e7

Vorträge aus dem Haus der Zukunft-Workshop: Muss guter Standard teuer sein?:

Gebäudestandards und zukünftige Mindestanforderungen vor dem Hintergrund Europäischer Richtlinien; Bettina Bergauer-Culver, Wirtschaftsministerium

Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit: Investitions- und Nutzungskosten in Wohngebäuden gemeinnütziger Bauvereinigungen; Eva Bauer, Österreichischer Verband Gemeinnütziger Bauvereinigungen

Innovation & Kosteneffizienz: Kostenoptimale Gebäudestandards für großvolumige Wohngebäude; Walter Hüttler, e7 Energie Markt Analyse GmbH

Kostenoptimalität von Gebäuden: ausgewählte Analysen; Martin Ploß, Energieinstitut Vorarlberg

Kosteneffiziente Umsetzung von Passivhäusern am Beispiel dreier mehrgeschossiger Passivhaus-Wohngebäude; Helmut Schöberl, Schöberl & Pöll GmbH

Evaluierung der Passivhauswohnanlage Lodenareal in Innsbruck; Bruno Oberhuber, Energie Tirol

1.732 Passivhaus-Wohneinheiten - sieben Jahre sozialwissenschaftliche Evaluation; Alexander Keul, Uni Salzburg

Bedeutung von Qualitätssicherung und Evaluierung innovativer Gebäude; Robert Lechner, Österreichisches Ökologie-Institut

Resümee; Wilhelm Hantsch-Linhart, Austria Wirtschaftsservice (aws)

Weiterführende Links

klimaaktiv: Kostenoptimum entspricht Anforderungsniveau im klimaaktiv Kriterienkatalog!
www.hausderzukunft.at